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Excerpts from Endgame

FEWER THAN JESUS HAD APOSTLES

Weniger als Jesus Apostel hatte

Es könnte sein, dass in der Zukunft die Leute zurück schauen auf das amerikanische Reich zurück
schauen, das ökonomische Reich und das militärische Reich, und sagen: „Sie haben nicht gemerkt,
dass sie ihr ganzes Reich auf einem zerbrechlichem Grund bauten. Sie änderten diesen Grund von
Steinen und Mörtel zu Bits und Bytes, und verstärkten es nie. Daher war ein Feind eines Tages in
der Lage, und das gesamte Reich zu zertrümmern.“ Das ist die Angst.

Richard Clarke, head of the President’s Critical Infrastructure Advisory Board

Ich habe ein Geständnis zu machen. Ich habe Ihnen etwas vorenthalten.
Vor einer Weile hatte ich eine der positivsten Unterhaltungen, die ich je hatte. Sie ließ mich denken,
dass es wirklich möglich sein könnte, den Prozess zu beschleunigen, die Zivilisation zu Fall zu
bringen. Ich sprach mit ein paar Hackern. Ich hoffe, Sie werden mir vergeben, wenn ich Ihnen nicht
sage wann oder wo wir sprachen, oder die seltsam befriedigenden Umstände unter denen wir uns
trafen.
Ich werde auch nicht ihre Namen oder Geschlechter sagen. Noch werde ich sie beschreiben.
Nehmen Sie an, sie sind Männer. Nehmen Sie an einer von ihnen sieht aus wie Ihr Banknachbar
Ihres Fortgeschrittenen-Praktikums, und der andere sieht auch seltsam bekannt aus, wie jemand,
den Sie einmal in einer weit entfernten Ecke in einer Bibliothek gesehen haben, umgeben von
Büchern über Nestor Makhno, Emiliano Zapata, August Spies und Albert Parsons. Oder vielleicht
sieht er aus wie jemand, den Sie im hinterstem Bereich in einem Auditorium haben stehen sehen, als
er jemandem zuhörte, der leidenschaftlich über die Notwendigkeit sprach, die Zivilisation jetzt zu
Fall zu bringen.
In jedem Fall, hier sitze ich an einem Tisch gegenüber von diesen Leuten (oder zumindest können
Sie annehmen, ich sitze an einem Tisch), und teile mir mit ihnen einen Krug mit Wasser in einem
Café. Lassen Sie uns annehmen, wir sind in Asheville, North Carolina, und es ist spät, sehr spät, an
einer heißen Sommernacht.
„Lasst uns klein anfangen“, sage ich. „Würde es möglich sein, einem Großunternehmen durch
hacken in die Computersysteme ernsthaften Schaden zuzufügen?“
„Du nimmst an“, antwortet der erste, nennen wir ihn Brian, „dass dies nicht schon passiert.“
Der andere, nennen wir ihn Dean, nickt. Ich sehe zwischen den beiden hin und her.
Brian fährt fort: „Es ist im besten Interesse der Unternehmen, nicht zu enthüllen, dass Dinge wie
diese ständig passieren.“
„Warum das?“, frage ich.
„Du glaubst, sie wollen die Leute wissen lassen, wie einfach es ist, in ein System zu hacken?“
Er zwinkert, dann wartet er für den Effekt. „Und es wird ständig einfacher. Nimm den Nutzen von
kabelloser Technologien, die stark im Kommen sind seit der letzten paar Jahre. Siehst du das
Thermostat dort drüben?“
Er deutet zu der weiten Seite des Raumes. Ich drehe mich um, um zu sehen, und zurück, als ich ihn
wieder sprechen höre.
Er sagt: „Diese sind meistens computerisiert, und senden und empfangen Signale über die Luft von
einem Hauptsystem. Neulich hackte ich mich in den Hauptcomputer eines Großunternehmens über
das Thermostat.“
Mir bleibt der Mund offen stehen.
Er wirft seinen Kopf zurück und lacht, dann sagt er: „Ich habe nichts getan. Ich versuchte nur, ob
ich es tun könnte.“
„Aber hättest du Schaden angerichtet können?“
„Oh, ja.“
„Wie?“
„Nenne ein mieses Unternehmen.“
„Ha!“, sagt Dean. „Nenne eines, das nicht ist.“
„Freeport McMoRan ist ziemlich mies.“Die beiden schütteln ihre Köpfe.
„Meist verschmutzendes Unternehmen in den Vereinigten Staaten. Verschmutzt über die ganze
Welt. Versorgt Ureinwohner in West Papua mit Maschinengewehren. Importiert andere in
Schiffskisten.“
Dean schaut mich genau an, bevor er fragt: „Wie macht es sein Geld?“
„Hauptsächlich mit Bergbau. Gold in Indonesien, Sulfur im Golf von Mexiko. Auch andere
Mineralien.“
„Okay“, sagt Dean. „Kinderspiel.“
„Was machst du?“, frage ich. „In deren Bankkonten herum wühlen, so tun als ob es Fight Club wäre
und deren Kreditkartenkonten zerstören?“
Brian rümpft seine Nase.
Dean sagt: „Versand. Der ganze Versand geschieht heutzutage computerisiert.“
Brian unter bricht, um zu fragen: „Wusstest du, dass die amerikanische Ökonomie letztes Jahr fast
zum erliegen kam?“
„Was?“, rufe ich aus.
„Der Dockarbeiter Streik an der Westküste“, sagt Dean. „Die großen Unternehmen konnten ihre
Rohmaterialien und Teile nicht bekommen. Sie liefen leer innerhalb von einem oder zwei Tagen.
Weißt du, was dann passiert?“
Es ist klar, dass die Frage rhetorisch ist.
Er stellt eine andere Frage: „Weißt du, wie viel es GM kosten würde, ihre Fließbänder anzuhalten?“
„Ich habe keine Ahnung.“
„Milliarden von Dollar pro Minute.“
„Jesus“, sage ich.
„Nein“, antwortet Brian. „Dockarbeiter.“
„Oder“, sagt Dean. „Hacker. Sagen wir Freeport McMoRan sendet über Singapur. Singapur ist der
automatisierteste Hafen in der Welt. Was passiert, wenn du Kanister nach Kanister umsteuerst nach
New Orleans statt nach Honduras, Belize, Istanbul?“
„Die Leute, die für diese Unternehmen arbeiten“, fügt Brian hinzu, „verlassen sich mehr auf
Computer als auf gesunden Menschenverstand. Das müssen sie. Die Unternehmen sind so groß, die
Bewegungen der Leute und Ressourcen so kompliziert, dass die Leute nicht auf alles achten
können. Letzten Monat hackte ich mich in das Sicherheitssystem eines großen Unternehmens und
brachte den Computer dazu, mir einen Identifikationsausweis auszustellen. Ich ging zum
Hauptquartier des Unternehmes, zog meine neue Karte durch, und bewilligte mir den Eintritt. Ich
ging hinüber zu den Sicherheitsleuten und erzählte ihnen, dass ich ein Hacker bin, der grade deren
Sicherheit durchbrochen hatte. Sie weigerten sich mir zu glauben. Sie sagten, dass der Computer
mich genehmigt hätte, also sollte ich aufhören zu scherzen und weiter rein gehen.“
„Sie glaubten dem Computer mehr als ihren eigenen Ohren.“
„Ich versuchte sie zu überzeugen, aber nichts was ich ihnen sagte, überzeugte sie mir zuzuhören.“
„Denkt ihr“, frage ich, „dass Hacker mehr tun könnten als nur mit einem oder zwei großen
Unternehmen herum zu pfuschen?“
Brian lächelt. „Du gehst wieder davon aus, dass niemand das bereits tut.“
„Nein“, sage ich. „Glaubt ihr, dass sie alles zu Fall bringen könnten, die Zivilisation zu Fall bringen
könnten?“
Brian nickt, und so auch Dean. Dean sagt: „Ich habe die letzten zwanzig Jahre damit verbracht zu
studieren, wie das ökonomische System arbeitet. Ich meine nicht ökonomische Theorie, obwohl ich
das sicher verstehe. Eher das A und O davon. Transport von Rohmaterialien wie die, von denen wir
gesprochen haben mit den Kanistern. Und die Sache, die mich am meisten verblüfft ist, dass das
System nicht schon längst zusammen gebrochen ist. Es ist unglaublich zerbrechlich. Und
unglaublich angreifbar.“
Als Dean spricht, holt Brian etwas, das aussieht wie ein Walkie-Talkie von einem Halter seines
Gürtels. Das Walkie-Talkie hat einen kleinen LED-Anzeige. Plötzlich quäkt das Gerät, und ein
Licht leuchtet grün auf.„Rate mal was“, sagt Brian. „Jemand in Asheville erhält eine Seite. Er holt einen Taschenrechner
von einem anderem Halter, und drückt ein paar Knöpfe. Er zeigt mir die Anzeige. Ich lese die
Informationen über die Seite. Er lächelt stolz, dann sagt er: „Ich habe ein paar kleine Veränderungen
vorgenommen…“
Ich frage: „Warum tust du das?“
„Es macht mich wahnsinnig Dinge herauszufinden. Ich liebe den Rausch, wenn ich plötzlich etwas
neues verstehe.“
Ich kenne das Gefühl. Ich habe das Gefühl, dass es der gleiche Rausch ist, wenn ich immer plötzlich
die Verbindung verstehe, zum Beispiel von Pornografie und Wissenschaft.
Ich frage: „Wenn du Computer liebst, würdest du es zu Fall bringen?“
Dean sagt: „Ja.“
Brian sagt: „Sofort.“
„Warum?“
„Weißt du, wo sie die Computerbücher in Buchläden haben?“, fragt Brian.
„In der Geschäftsabteilung.“
„Und?“
„Computer sollten uns frei machen. Das war die Phrase. Das ist immer die Phrase. Aber sie wurden
nur dazu benutzt, uns weiter zu versklaven, die Armen weiter zu versklaven, den Planeten weiter zu
versklaven.“
Mir wird die Stille im Raum bewusst. Ich nehme einen Schluck Wasser.
Brian fährt fort: „Sagen wir, du hast einen Lotkolben, den du liebst zu benutzen. Du liebst es,
Stücke von Metal zusammen zu löten. Du liebst es schöne Muster in Holzmöbel zu brennen. Nun,
was würdest du tun, wenn jemand anfängt den Lötkolben zu nutzen, um Leute zu quälen? Ich kann
nicht für dich oder jemand anderen sprechen, aber ich würde den Stecker vom Kolben ziehen. Ich
würde es tun“, wiederholt er, „sofort.“
Ein leises Geräusch bricht die Stille im Café. Im Raum beginnt die einsame Angestellte die Stühle
auf die Tische zu stellen.
Brian sagt: „Ich liebe es herauszufinden, wie Dinge funktionieren. Und die Existenz oder
Nichtexistenz von Maschinen bedeutet nicht, dass wir nicht Dinge herausfinden können. Wenn ich
diesen Rechner zerschlage, entkräftet das nicht das ohmsche Gesetz. Das ohmsche Gesetz ist immer
noch da. Die Natur ist immer noch da, unter all dem Beton, unter all den Maschinen. Und bist du
einmal hinaus gegangen während eines Stromausfalls? Die Lichter sind immer noch da; sie sind
oben im Himmel. Und es ist so still, dass du endlich anfangen kannst zu hören.“
Ich frage wieder: „Und du wärest bereit zu helfen es zu Fall zu bringen?“
Die Frau stellt die näheren Stühle hoch. Wir haben nicht viel Zeit.
Die beiden lachen und sagen: „Natürlich.“
„Ihr habt darüber viel nachgedacht.“
Wieder lachen beide und sagen: „Natürlich.“
Ich muss es wissen. „Wenn sie gebildet genug wären, und wüssten, was sie tun, wie viele Leute
glaubt ihr, wären nötig, um die Zivilisation zu Fall zu bringen?“
Brian sagt: „Es bräuchte weniger als Jesus Apostel hatte.“
Die Frau hat alle Stühle hoch gestellt außer unsere.
Dean sagt: „Lasst uns gehen.“
Ich nicke, und sage dann: „Es ist spät.“